Herbstzeitlose

So sieht die Herbstzeitlose aus, wenn sie blüht.

Der botanische Name der Herbstzeitlose ist Colchicum autumnale. Dieser Name geht auf die griechische Landschaft Kolchis zurück, welche die Heimat der antiken Giftmischerin Medea gewesen sein soll.

Im Volksmund wird sie auch die „nackte Jungfer“ genannt, da die lilafarbene Blüte im Herbst ohne Blätter erscheint. Sie stammt aus der Familie der Liliengewächse.

Wie sieht die Pflanze aus?

Die Herbstzeitlose blüht, wie es der Name vermuten lässt, im Herbst. Sie hat von ungefähr August bis Oktober rosafarbene bis violette Blüten. Diese sind trichterförmig und scheinen auf einem „Stiel“ zu sitzen. Dieser Stiel ist aber in Wirklichkeit die Blütenröhre und entspringt aus der in der Erde sitzenden Zwiebelknolle. In der Regel befindet sich die Knolle in etwa 15 bis 20 cm unter der Oberfläche. Die Herbstzeitlose wird zwischen 5 und 20 cm hoch. Ihre Blätter zeigt sie erst im folgenden Frühjahr. Diese haben eine tulpenähnliche Form. Aber Achtung, sie können mit Bärlauch verwechselt werden.

Innerhalb der Laubblätter bildet sich die etwa 5 cm lange Kapselfrucht. Diese entlässt so etwa im Juli ihre schwarzbraunen und klebrigen Samen, die z.B. von Pferden auf der Weide weitergetragen und somit ausgesät werden.

Es handelt sich bei der Herbstzeitlose um eine mehrjährige Pflanze, die durch ihre Zwiebel gut überwintert. Sie ist in Mitteleuropa heimisch und bevorzugt Wiesen und Weiden als Standort. Besonders betroffen sind extensiv genutzte Wiesenflächen, aber auch Streuobstwiesen und feuchte Waldränder.

Die Herbstzeitlose als Giftpflanze

Leider ist diese auf unseren Weiden vorkommende Pflanze stark giftig. Sie enthält unter anderem das Zellgift Colchicin was Ähnlichkeit mit Arsen aufweist. Und das nicht nur in frischem, sondern auch in getrocknetem oder siliertem Zustand. Zudem sind alle Pflanzenteile stark giftig und macht die Herbstzeitlose damit zu einer unserer gefährlichsten einheimischen Pflanzen.

Im Gegensatz zu anderen Giftpflanzen, schmeckt die Herbstzeitlose im trockenen Zustand nicht bitter und die Pferde lesen sie deshalb nicht aus. Das Colchicin behält im Heu sogar über mehrere Jahre hinweg seine Wirkung. Oft gelangt die Pflanze unbemerkt ins Heu, da sie zum Zeitpunkt der Ernte von anderen Gräsern und Kräutern überdeckt wird.

In frischem Zustand werden sie eher nicht gefressen, weil sie bitter schmecken, aber es kann durchaus vorkommen, dass Pferde die Pflanzen aus Langeweile zu sich nehmen, oder gerade junge und unerfahrene Pferde daran rumknabbern. Sollte sich also Herbstzeitlose auf der Weide befinden, darf hier kein Risiko eingegangen und die Pflanze sollte beseitigt werden.

Wieviel ist giftig?

Pferde reagieren besonders empfindlich auf das Gift der Herbstzeitlose. Es reichen leider bereits geringe Mengen der Pflanze aus um Vergiftungen hervorzurufen. Bereits 1,48% Anteil Herbstzeitlose pro Heuration kann zu Vergiftungserscheinungen führen. Oder anders ausgedrückt reichen 1.200 – 3.000 g pro Tier für eine tödliche Dosis und bereits 0,15 g/ kg Körpermasse können zu ersten Vergiftungserscheinungen führen. Das wären bei einem durchschnittlichen Pferd von 450 kg dann gerade mal 675 g. Das Gift reichert sich zudem im Körper an und so können auch geringe Mengen bei regelmäßiger Aufnahme zu Nieren- und Leberschäden führen.

Das Gift kann übrigens auch durch die Muttermilch weitergeben werden. Das heißt, wenn eine säugende Stute Herbstzeitlose frisst, kann sich das Fohlen durchaus auch vergiften, selbst wenn es selber nichts von der Pflanze gefressen hat.

So sieht die Herbstzeitlose im getrockneten Zustand aus. Alle Teile davon sind giftig!

Vergiftungssymptome

Es gibt eine Reihe von unterschiedlichen Symptomen bei einer Vergiftung. Unter anderem kann es zu lebensbedrohlichen Blähungs-Koliken und schweren Stoffwechselstörungen wie zum Beispiel Hufrehe kommen. Außerdem können Husten und starkes Speicheln auftreten. Auch neurologische Störungen wie zum Beispiel Kopfschütteln und Stolpern können durch das Gift verursacht werden. Besonders auffällig ist der rapide Muskelschwund, aber auch Durchfall, Kotwasser, eitriger Nasenausfluss, starke Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Atemprobleme oder stark gerötete Schleimhäute können Symptome sein.

Die Vergiftungserscheinungen können sich aber von Pferd zu Pferd stark unterscheiden und auftretende Krankheitssymptome werden deshalb oft nicht einer Vergiftung zugeordnet.

Das Gift wird sehr schnell vom Körper aufgenommen und wirkt laut Untersuchungen bereits nach ca. 4 bis 12 Stunden. Allerdings kann es durchaus vorkommen, dass das Pferd erst Tage nach der Aufnahme klinische Symptome zeigt. Hat das Pferd eine tödliche Dosis aufgenommen, verläuft die Vergiftung meist in drei Phasen. In der ersten Phase beginnt es mit Koliksymptomen, dann folgen in der zweiten Phase Herzrhythmusstörungen, Leberinsuffizienz und neuromuskuläre Störungen. Diese Erscheinungen können zwischen 5 und 7 Tage andauern. In der dritten Phase vermehren sich die weißen Blutkörperchen, die Leukozyten, krankhaft und es tritt Haarausfall (Alopezie) auf, bis schließlich der Tod eintritt.

Weidepflege

Besonders viel kommt die Pflanze auf extensiv bewirtschafteten, kräuterreichen Wiesen und auf Streuobstwiesen vor. Die Pflanze wird meist durch ein spätes Mähen der Wiesen verbreitet. Dann werden die zur Erntezeit schon reifen Samen mit dem Heu gleichmäßig über die ganze Wiese verteilt und sorgen so für eine rasche Ausbreitung.

Früher wurde die Pflanze Ende April bis Anfang Mai sorgfältig aus den Futterwiesen ausgestochen. Das ist auch heute noch das Mittel der Wahl im Kampf gegen die Giftpflanze. Die Pflanzenteile sollten nicht liegen gelassen werden, da sie wie bereits beschrieben, auch getrocknet noch giftig sind. Am besten sollte die Pflanze dann über den Hausmüll entsorgt werden! Nicht in die Biotonne oder den Kompost geben, da sie sich sonst von dort aus weiter ausbreiten kann. Außerdem sollte die hochgiftige Pflanze nur mit Handschuhen angefasst werden. Um die Pflanze wirklich komplett entfernen zu können, verwendet man am besten eine Spitzhacke. Ein normaler Unkrautausstecher dringt leider nicht tief genug ein um die tief sitzende Knolle vollständig zu entfernen. Zudem sitzt die Knolle meist schräg unter dem Korpus und nicht direkt darunter. Es heißt also graben.

Hat man größere Flächen, bei denen man das Ausstechen der einzelnen Pflanzen nicht mehr leisten kann, kann eine frühe Mulchmahd helfen. Die betroffenen Wiesen sollten Mitte bis Ende April/ Anfang Mai gemäht werden. Nach der Mahd sollte dann Jauche/Schwemmmist ausgebracht werden. Die Mahd dient dazu, dass die Giftpflanze ausgehungert wird und das Ausbringen der Jauche zum Ausfaulen der Knolle. Das Ganze zwischen 2 und 3 Jahre beibehalten. Wenn die Wiese dann im Herbst zur Blütezeit wieder gemäht wird, verhindert das die Samenbildung der restlichen Pflanzen. Die Mahd im Herbst hilft nur, dass die Pflanze sich nicht weiter ausbreitet. Als alleinige Maßnahme wird sie gegen die bereits bestehenden Pflanzen nicht helfen. Diese Maßnahmen führen in der Regel allerdings dazu, dass sich der Bewuchs der Wiese ändert, da auch andere Pflanzen dieses Vorgehen nicht mögen.

Die Pflanze ist recht trittverträglich. Aus diesem Grund zeigt das öfter empfohlene Walzen oder stärker Beweiden der Wiesen keinen Erfolg. Die Knolle wird damit meist nur tiefer in die Erde gedrückt, nimmt aber keinen Schaden. Das stärkere Beweiden birgt außerdem das Risiko, dass die Tiere die Pflanze im frischen Zustand doch fressen.

Auch Unkrautvernichtungsmittel helfen bei der Herbstzeitlose oft nicht. Zumal natürlich überlegt werden muss, wie sinnvoll der Einsatz von Giftstoffen auf Futterweiden- oder wiesen ist.

Herbstzeitlose und Meerschweinchen

Die Herbstzeitlose ist nicht nur für unsere Pferde und uns Menschen giftig, sondern auch für andere Tiere, unter anderem auch für Meerschweinchen. Auch hier kann man sich nicht darauf verlassen, dass die Tiere die Pflanze im frischen Zustand nicht fressen. Im Heu sortieren die kleinen Nager die Pflanze nicht aus. Hier ist man als Halter gefragt.

Bereits 1 mg des Gifts pro kg Körpergewicht ist für Meerschweinchen problematisch. Bereits ab 0,25 mg /kg Körpergewicht kann starker Durchfall auftreten. Die Vergiftungssymptome sind ähnlich wie beim Pferd.

Quellen:

Lochstampfer M. und U.: Giftpflanzen, Was Pferde nicht fressen dürfen; 1. Auflage 2013

Damsen van B.: Der Weideratgeber; 1. Auflage 2003

Fritz Dr. Ch., Maleh S.: Zivilisationskrankheiten des Pferdes, Ganzheitliche Behandlung chronischer Krankheiten; 1. Auflage 2016