Pferde

Auf die Weide, fertig, los!

Nützliche Tipps und Gefahren rund ums Anweiden.

Weidezeit: Für unsere Pferde wohl die schönste Zeit des Jahres

Im Frühjahr wird wohl kaum ein Thema so heiß diskutiert wie das Anweiden der Pferde. Wann ist der richtige Zeitpunkt? Muss man überhaupt anweiden? Und wenn ja, wie?

In der Regel stehen die Pferde über den Winter auf einem Auslauf und bekommen Heu zu fressen. Heu ist relativ energiearm und rohfaserreich. Darauf stellt sich der Stoffwechsel ein. Leber und Niere gewöhnen sich über den Winter an diese Ernährung und im Darm existieren hauptsächlich Bakterien, die auf die Verarbeitung von Heu spezialisiert sind.

Das frische Gras im Frühjahr dagegen ist deutlich energiereicher und rohfaserärmer. Das bedeutet eine gewaltige Umstellung für den gesamten Stoffwechsel. Wenn dieser nun von jetzt auf nachher und ohne Gewöhnung passiert, kann es zu einer Überforderung des Stoffwechsels kommen. Hufrehe, Kolik, Durchfall und Kotwasser sind nur ein paar der gesundheitlichen Probleme, die unsere Pferde dann plagen können.

Vorbereitung auf die Weidesaison

Den Stoffwechsel unserer Pferde können wir in Vorbereitung auf die Weidesaison unterstützen indem wir entsprechende entgiftende Kräuter füttern. Dies entlastet den Stoffwechsel.

Hierfür eignen sich zum Beispiel:

  • Pfefferminze: Enthält ätherische Öle, insbesondere Menthol, welche die natürliche Gallenfunktion stärkt. Außerdem wirkt sie allgemein stärkend auf die Magentätigkeit und sorgt für eine bessere Verdauung indem sie eine gesunde Darmflora unterstützt.
  • Birkenblätter: Die Birke wird auch Nierenbaum genannt, denn die Blätter können die Nierenfunktion stärken. Damit verbessert sie die Fähigkeit Harn auszuleiten und den Harnsäurespiegel auszugleichen, was zu einer Stärkung des Immunsystems führt
  • Artischocke: Artischocken haben einen relativ hohen Chromgehalt und können dadurch den Fettstoffwechsel ankurbeln und den Insulinhaushalt ausbalancieren. Außerdem stärkt sie die Leber und die Verdauung. Aber Achtung, manchmal reagieren Pferde allergisch auf Artischocke.
  • Kümmel: Die ätherischen Öle im Kümmel sorgen dafür, dass fettes und schweres Essen leichter verdaulich wird, indem sie mit ihren Bitterstoffen die Verdauungssäfte anregen und so die Verdauung beschleunigen bzw. erleichtern.
  • Mariendistel: Sie unterstützt die Funktionen von Leber, Galle und Milz und gilt als die Leberpflanze überhaupt, da sie die Ausleitung von Giftstoffen fördert, was dem Immunsystem zugutekommt.
  • Löwenzahn: Löwenzahn stärkt die Gallen- und Leberfunktion. Zudem hat er einen positiven Effekt auf den Magen-Darm-Trakt. Zusätzlich sorgt er für eine natürliche Regulierung des ph-Wertes in den Verdauungsorganen.

Immer dran denken: Kräuter müssen immer ein- und ausgeschlichen werden um den Stoffwechsel nicht zu überlasten. Sinnvoll ist eine Kur von 6-8 Wochen. Am besten fängt man 4 Wochen vor dem Anweiden damit an.

Mein Rezept zum Anweiden für ein Großpferd:

2 TL Pfefferminze

2 TL Birkenblätter

2 TL Artischoke

2 TL Kümmel

2 TL Mariendiestelkraut

2 TL Löwenzahn

1 TL getrocknete rote Beete (für den Geschmack)

Wie sollte angeweidet werden?

Wenn es dann soweit ist, sollte das Pferd nicht einfach auf die Weide gelassen werden, sondern langsam an das frische, gehaltvolle Gras gewöhnt werden. Hier macht es Sinn einen Plan aufzustellen und sich daran zu halten. Ein solcher Plan könnte z.B. so aussehen:

  • Tag 1 + 2: 5 Minuten
  • Tag 3 + 4: 10 Minuten
  • Tag 5 + 6: 15 Minuten
  • Tag 7+ 8: 20 Minuten
  • Tag 9 + 10: 25 Minuten
  • Tag 11 – 15: 30 Minuten
  • Tag 16 – 19: 45 Minuten
  • Tag 20 – 25: 60 Minuten

Dabei ist es tatsächlich sinnvoll sich einen Wecker zu stellen, denn die Zeit ist schneller um als man denkt. Außerdem sollten die Hufe und Pferdeäpfel vor und nach dem Grasen kontrolliert werden. Sollte hier irgendwas ungewöhnlich sein, wie z.B. Durchfall oder warme Hufe, wird die Weidezeit nicht gesteigert sondern evtl. wieder reduziert.

Wenn das Pferd an 1 Stunde grasen gewöhnt ist, kann die Zeit nach ein paar Tagen auf 1 ½ Stunden erhöht werden. Nach einigen Tagen kann die Zeit dann auf 2 Stunden und nach weiteren Tagen auf 3 Stunden erhöht werden. In ebendiesen Zeitabschnitten kann der Weidegang auf einen halben Tag sowie einen ganzen Tag ausgeweitet werden.

Anfangs sollten die Pferde auch nicht auf nüchternen Magen auf die Weide gelassen werden, sondern vorher eine ordentliche Portion Raufutter erhalten haben. Wenn das Pferd zusätzlich zur natürlichen Gier auf das Gras auch noch Hunger hat, wird es mit Sicherheit nochmal mehr verschlingen. Pferde können die Fressmenge bis auf das 4-fache in der selben Zeitspanne erhöhen. Zudem wird das Gras besser verdaut, wenn genügend Rohfasern im Darm vorhanden sind.

Natürlich sollte jedes Pferd individuell betrachtet werden. Die Pferde sollten in der Zeit des Anweidens genau beobachtet werden und der Plan muss an das jeweilige Pferd angepasst werden. Wichtig: Wenn das Anweiden unterbrochen wurde, so starte den Plan von vorne.

Wie gut das Gras vertragen wird, hängt aber nicht nur davon ab, wie langsam man anweidet, sondern auch davon wie die Wetterbedingungen sind. Einfluss auf den Nährstoffgehalt des Grases haben noch weitere Faktoren:

Fruktan

Besonders wichtig ist der Fruktangehalt im Gras. Kurz gesagt, je höher der Fruktangehalt ist, desto nährstoffreicher ist auch das Gras und damit umso größer die Gefahr, dass das Pferd vom Gras krank wird. Doch was ist Fruktan überhaupt?

Fruktan ist ein spezieller Zucker, der im Gras und auch im getrockneten Heu zu finden ist. Gras hat wie jedes Lebewesen das Bestreben zu wachsen. Um zu wachsen benötigt es Energie und diese Energie speichert es als Fruktan im Stängel. Wie hoch der Fruktangehalt im Gras ist, hängt aber von verschiedenen Einflüssen ab. Einmal hat nicht jede Grassorte die gleiche Menge an Fruktan, so hat z.B. das auf Pferdeweiden weit verbreitete Weidelgras von Haus aus einen hohen Gehalt an Fruktan. Da sich der Fruktangehalt in den Pflanzen sehr unterscheiden kann, sollte man aufpassen, wenn man Pferde von einer Weide auf die nächste stellt. Gibt es große Unterschiede im Bewuchs der Weide, sollte die Umstellung vorsichtig durchgeführt werden.

Aber auch Jahreszeit, Tageszeit, Witterung, Beweidung und Düngung wirken sich auf den Fruktangehalt aus.

Fruktangehalt in den Jahreszeiten

Besonders fruktanreich ist das erste Gras im Jahr, also Mitte bis Ende April und Mai. Das ist in der Regel genau die Zeit in der wir anfangen unsere Pferde anzuweiden. Daher sollte man bei empfindlichen Pferden lieber etwas später im Jahr mit dem Anweiden beginnen.

Aber auch im Herbst (Oktober und November) steigt der Fruktangehalt im Gras wieder an. Gerade empfindliche Pferde sollten spätestens dann abgeweidet werden.

Dieser Punkt macht auch klar, dass man auf das Anweiden auch dann nicht verzichten sollte, wenn das Pferd im Winter auf der Weide stand. Denn der Fruktangehalt des harten Wintergrases ist nicht vergleichbar mit dem des jungen Frühlingsgrases.

Fruktangehalt zu verschiedenen Tageszeiten

Auch die Tageszeit hat Auswirkungen auf den Fruktangehalt. Der Fruktangehalt steigt an sonnigen Nachmittagen und Abenden vor kalten Nächten. Außerdem ist er besonders hoch, in den Morgenstunden nach sehr kalten Nächten (Nachtfrost). Wenn man erst später im Jahr anweidet, hat man das Problem mit dem Nachtfrost in der Regel nicht mehr. Ist man früher im Jahr dran, sollte sich die Weidezeit für empfindliche Pferde bei kalten Nächten auf die Mittagszeit beschränken.

Als Faustregel kann man sich merken, dass der Fruktangehalt sinkt, wenn die Temperatur steigt und der Fruktangehalt steigt, wenn die Temperatur sinkt.

Das Fruktan entsteht bei der Photosynthese. Ist es dunkel, kann keine Photosynthese betrieben werden und damit ist der Fruktangehalt auch deutlich niedriger. Aus diesem Grund können sehr empfindliche Pferde auch nachts auf die Weide gelassen werden und tagsüber auf einen Auslauf mit ausreichend Heu.

Einfluss von Witterungseinflüssen auf den Fruktangehalt

Gibt es wenig Regen, so kommt es zu einer Erhöhung des Fruktangehalts, denn dem Gras fehlt das Wasser zum Wachsen. Also füllt es seinen Fruktanspeicher weiter an. Ebenso bei kalten Temperaturen. Hier kann das Gras nicht so schnell wachsen und speichert auch mehr Fruktan im Stängel.

Am besten geeignet ist mildes, bedecktes oder sogar regnerisches Wetter um das Pferd zum ersten Mal auf die Weide zu lassen.

Einfluss der Beweidung auf den Fruktangehalt

Oft stellen Pferdebesitzer empfindliche Pferde auf Weiden die stark abgefressen sind, in dem Glauben, dass das Pferd so weniger Gras frisst und damit die Gefahr für Krankheiten geringer wird. Allerdings ist das ein gefährlicher Irrglaube, denn so stark abgefressenes Gras hat einen sehr hohen Anteil an gefährlichem Fruktan. Besser ist es die Pferde auf eine Weide mit überständigem Gras zu lassen. Dieses hat einen relativ geringen Fruktangehalt und ist so deutlich ungefährlicher. Im Zweifel kann eine Fressbremse helfen, damit das Pferd nicht zu viel Gras aufnimmt.

Weiden mit hohem eher überständigem Gras haben einen niedrigeren Fruktangehalt als stark abgefressene Weiden

Einfluss der Düngung auf den Fruktangehalt

Werden Weiden mit Stickstoff gedüngt, steigt wieder der Fruktangehalt im Gas. Auch dieser Faktor sollte sowohl beim Anweiden wie auch beim Wechsel von einer Weide auf die nächste bedacht werden.

Wenn man diese Punkte im Blick hat und entsprechend reagiert, ist das Anweiden bei einem gesunden Pferd in der Regel kein Problem.

Unsere Pferde sollten während der gesamten Weidezeit weiter gutes Heu zur Verfügung haben. Einmal ist es wichtig, dass unsere Pferde genügend Rohfaser aufnehmen und das ist durch Heu eher gegeben als durch Gras und dann sind die Weiden oft nicht besonders artenreich und gerade Kräuter eher Mangelware.

Am Ende der Weidesaison sollte man natürlich auch beim Abweiden vorsichtig sein. Ein Pferd von jetzt auf gleich wieder auf eine reine Heufütterung umzustellen, kann ebenfalls problematisch sein. Der Stoffwechsel braucht Zeit für die Umstellung.

Fazit:

  • Das Anweiden sollte schrittweise erfolgen
  • Pferde sollten nicht hungrig, sondern erst nach einer Portion Heu auf das Gras gelassen werden und über die gesamte Weidezeit sollte gutes Heu zur Verfügung gestellt werden
  • Der Fruktangehalt im Gras entscheidet darüber, wie gut es vertragen wird. Dieser schwankt je nach Tages- und Jahreszeit, Beweidung, Gräser und Düngung
  • Auch das Abweiden sollte schrittweise erfolgen.

Quellen:

Damsen van B.: Der Weideratgeber, 1. Auflage 2003

Nadig Dr. med. vet. A.: Heilpflanzen für Hunde, 1. Auflage 2018

Söffker M.: Das Heilkräuter Lexikon, 2. Auflage 2017

Fritz Dr. Ch.: Pferde fit füttern, 5. Auflage 2017

Bender I.: Praxishandbuch Pferdefütterung, 4. Auflage 2011

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