Meerschweinchen

Der kleine Snack für Zwischendurch

Was sich als Leckerlies für Meerschweinchen eignet

Auch Meerschweinchen freuen sich über Abwechslung

Wir Menschen freuen uns, wenn wir unsere Tiere mit Leckereien verwöhnen können. Auch unsere Meerschweinchen sollen hier nicht zu kurz kommen. In den Zoohandlungen gibt es eine Menge bunter und lecker aussehender Produkte zu kaufen. Aber was sind denn eigentlich geeignete Leckereien für unsere felligen Mitbewohner?

Um diese Frage zu beantworten, lohnt sich ein kurzer Blick auf die natürliche Nahrung unserer Meerschweinchen.

Die natürliche Ernährung für Meerschweinchen

Unsere Hausmeerschweinchen stammen von den Gebirgsmeerschweinchen (Cavia aperea cutleri) ab. Diese Schweinchen leben in den grasreichen Hochebenen und Buschsteppen der Anden auf Höhenlagen bis zu 4.200 Meter. Dort ist das Gras sehr vitaminreich und die Tiere fressen Gräser, Kräuter, Blätter, Rinden und Sämereien, die dort vorkommen. Wasser nehmen sie überwiegend in Form von Tautropfen auf.

Landwirtschaft mit Getreideanbau findet in dieser Höhe nicht mehr statt. Woraus wir schließen können, dass Getreide nicht zum natürlichen Nahrungsangebot der Tiere zählen kann. Auch unsere Hausmeerschweinchen sollten deshalb als Hauptfuttermittel Heu und Gras bekommen. Immer ergänzt durch Vitamin C reiche Lebensmittel, da Meerschweinchen nicht in der Lage sind dieses selber zu bilden.

Die Verdauung von Meerschweinchen ist also komplett auf stark zellulosehaltige, pflanzliche Kost ausgerichtet. Bei ihnen spielt sich die Verdauung größtenteils im Dickdarm ab. Im Gegensatz zum Dünndarm, in dem die Nahrung mit Hilfe von Enzymen aufgespalten wird, findet dies im Dickdarm mit Hilfe von Bakterien statt. Der Nahrungsbrei wird durch die Bakterien fermentiert und so können die Nährstoffe über die Darmwand resorbiert werden. Um ihren Dienst zu tun und zu überleben benötigen diese Bakterien Nahrung. Diese ziehen sie unter anderem aus den Faserstoffen von Heu und Gräsern.

Überhaupt gibt es im Darm viele Bakterien, sie bilden die sogenannte Darmflora. Sie unterstützt das Immunsystem des Tieres und leistet hier wichtige Dienste. Damit sie die Aufgaben allerdings auch erfüllen kann, muss die Zusammensetzung an Bakterien stimmen und hierauf kann die Ernährung einen erheblichen Einfluss nehmen. Durch eine falsche Ernährung, bekommen Bakterien, die sonst in geringer Anzahl in der Darmflora vorkommen würden, zuviel Nahrung und vermehren sich. Damit kann sich das gesamte Gleichgewicht verschieben und das Tier wird krank.

Schon gewusst?
Der Name Darmflora ist eigentlich nicht ganz richtig, er stammt noch aus Zeiten als man Bakterien zu den Pflanzen gezählt hat. Eigentlich müsste die Darmflora heute Darmmikrobiotika genannt werden, aber da der Name Darmflora gebräuchlicher ist, bleiben wir einfach dabei.

Ungeeignete Leckereien

Die Leckerchen, die man in Drogerie-, Supermärkten und Zoohandlungen kaufen kann, enthalten in der Regel als Hauptbestandteil Getreide. Weiter sind oft Zucker, Honig, Joghurt oder andere Milchprodukte und Ei enthalten.

Die Leckerchen, die man in Drogerie-, Supermärkten und Zoohandlungen kaufen kann, enthalten in der Regel als Hauptbestandteil Getreide. Weiter sind oft Zucker, Honig, Joghurt oder andere Milchprodukte sowie Ei enthalten.

Nichts davon gehört zum natürlichen Nahrungsspektrum unserer kleinen Mitbewohner. Kohlenhydrate werden im Magen und im Dünndarm verdaut. Am Ende des Dünndarms sind Kohlenhydrate fast komplett verdaut. Damit kommt davon kaum etwas im Dickdarm bei den dort lebenden Bakterien an. Diese bekommen also auch nicht ausreichend Nahrung und auf Dauer sterben sie. Als Folge ändert sich die Zusammensetzung der Bakterien im gesamten Darm. Damit kann die Darmflora nicht mehr ihre volle Funktion ausüben. Natürlich passiert das nicht, wenn das Meerschweinchen ab und zu etwas Getreide bekommt. Allerdings macht Getreide auch schnell satt und so fressen die Tiere zusätzlich auch noch weniger Heu. Das verschlimmert die Situation für die Bakterien im Dickdarm erheblich.

Außerdem wird aus Kohlenhydraten Maltose gebildet. Dieser Zucker erhöht den Blutzuckerwert und kann zu Diabetes führen. Zusätzlich sorgt er dafür, dass die Tiere zu dick werden und irgendwann an den Folgen von Übergewicht leiden.

Als reine Veganer ist die Verdauung unserer Meerschweinchen auch nicht auf die Verarbeitung von tierischen Produkten ausgelegt. Auch hier findet die Verdauung wieder vorrangig im Dünndarm statt mit den oben beschriebenen Folgen.

Die Meerschweinchen merken nicht, dass ihnen diese Nahrung schadet, da die Folgen erst nach einer gewissen Zeit auftreten. Sie schmeckt ihnen aber gut, weil sie süß ist und erstmal viel Energie gibt. Deshalb freuen sich die kleinen Nager über die Leckerlies. Aber gesund sind sie nicht, sondern sie richten auf Dauer erheblichen Schaden im Körper unserer Meerschweinchen an. Aus diesem Grund sollte auf diese Art Leckerlies schlicht verzichtet werden.

Gerne wird Meerschweinchen auch altes Brot zum Knabbern gereicht. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass das gut für den Zahnabrieb besonders der Backenzähne sei. Tatsächlich ist das Brot weder für die Schneide- noch die Backenzähne hilfreich. Auch wenn unsere Meerschweinchen sich mit den Schneidezähnen durch die harte Brotrinde fressen, stellt das für sie keine Herausforderung dar. Die Zähne eines Meerschweinchens sind geeignet um Äste zu entrinden und durchzubeißen. Dagegen ist die Rinde eines Brotes einfach zu weich. Für die Backenzähne ist erst Recht kein Nutzen mehr vorhanden, denn bis das Brot dort ankommt, ist es vom Speichel bereits eingeweicht und muss so gut wie gar nicht mehr gekaut werden. Der angeblich positive Nutzen des Brotes ist also nicht gegeben, dafür richtet das Brot Schaden an und zwar im Darm. Brot besteht in der Regel hauptsächlich aus Mehl, womit wir wieder beim Thema Kohlenhydrate sind.

Neben Getreide sind in Brot auch Backtriebmittel, Salz, Zucker, Geschmacks- und Konservierungsstoffe enthalten, welche im Meerschweinchenkörper nichts verloren haben.

Außerdem enthält altes Brot oft unsichtbare Schimmelsporen. Diese sind natürlich nicht gesund für unsere felligen Mitbewohner und können sie krank machen. Am besten also Finger weg von altem Brot. Die Zähne unserer Schweinchen nutzen sich deutlich effektiver an Heu und Zweigen ab.

Heißt das nun, dass die kleinen Tierchen auf Leckereien verzichten müssen? Nein, auf keinen Fall. Es gibt viele gesunde Alternativen, die ihnen schmecken und gut für sie sind.

Geeignete Leckereien

Zweige: Für den Zahnabrieb deutlich besser geeignet als Brot sind Zweige. Die Zweige können frisch oder getrocknet gefüttert werden. In der Rinde stecken viele Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe, die gut für unsere Meerschweinchen sind. Außerdem sind sie eine ganz wunderbare Beschäftigung. Beim Zahnabrieb wird zusätzlich noch das Zahnfleisch massiert, sodass dieses gut durchblutet wird. Die Blätter und Blüten dürfen natürlich gern mit verfüttert werden. Man kann die Äste auch im Gehege aufhängen, so dass die Schweinchen sich strecken müssen um dran zu kommen. Das würde die natürliche Futtersuche imitieren. Dabei sollte es sich um ungespritzte Bäume handeln.

Geeignet sind z.B. Apfelbaum, Birnbaum, Kirschbaum, Haselnussstrauch (die Nüsse sollten nicht mit verfüttert werden, da sie zu ölhaltig sind), Heidelbeerbusch, Johannisbeerbusch, Buche (in kleinen Mengen, da Buche einen hohen Oxalsäureanteil hat), Weide (in kleinen Mengen, wegen der enthaltenen Gerbsäure), Birke, Fichte, echte Tanne und Kiefer (Nadelbäume eher kleine Mengen geben, da diese ätherische Öle enthalten).

Giftig sind unter anderem Thuja, Zypresse, Eibe und Eiche.

Kräuter: Die Meerschweinchen lieben frische und getrocknete Kräuter. Eine tolle, wenn auch zugegebenermaßen recht kurze Beschäftigung sind Kräutertöpfe aus der Gemüseabteilung. Die Meerschweinchen fressen die Pflanzen in Rekordzeit und es macht Spaß ihnen dabei zuzusehen. Setzt man die Töpfe ins Gehege sollte man sie von den Plastikübertöpfen befreien und sie in schwere Übertöpfe umsetzen. So werden sie nicht umgeworfen und die Schweinchen können nicht versehentlich vom Plastik naschen. Am besten stellt man so viele Töpfe auf, dass alle Schweinchen ohne Streit an ihnen fressen können.

Wer nicht gleich ganze Töpfe verfüttern möchte, kann auch einzelne Blätter als Leckerchen zwischendurch geben.

Bei Kräutern ist allerdings auch etwas Vorsicht geboten. Kräuter sind die Apotheke der Natur und sie haben in der Regel Wirkstoffe. Ein Zuviel davon kann unerwünschte Nebenwirkungen haben und leider gewöhnen sich die Tiere auch an die Wirkung, so dass sie im Ernstfall dann nutzlos sind. Mit den meisten Küchenkräutern kann man aber nicht viel falsch machen.

Frische Kräuter sind den getrockneten immer vorzuziehen, da die getrockneten Kräuter bis zu 8mal calciumhaltiger sind als die frischen und zu viel Calcium schadet den Tieren. In kleinen Mengen, bis zu 20 g pro Tier und Woche, darf es aber doch sein.

Geeignete Kräuter: Minze, Basilikum, Dill, Zitronen-Melisse, Oregano, Thymian, Salbei (hier allerdings eher weniger füttern) und Petersilie (nicht an schwangere Tiere verfüttern, da Petersilie wehenfördernd wirken kann)

Blumen: Auch Blüten und ganze Blumen werden von den Meerschweinchen gerne gefressen. Allerdings sollte man beim Sammeln der Pflanzen darauf achten, dass man sie nicht direkt neben einer Straße oder einem Feld das gespritzt wird, sammelt.

Geeignete Blumen: Sonnenblumen (die Blume kann komplett mit Stängel und Kernen verfüttert werden, aber mit den Kernen Vorsicht, denn sie sind stark ölhaltig), Löwenzahn (hier können Blätter und Blüten verfüttert werden) und Gänseblümchen

Sonnenblumen schmecken im Ganzen

Frisches Gemüse: Frisches Gemüse sollte für unsere Meerschweinchen sowieso auf dem täglichen Speiseplan stehen. Aber eine kleine Extraportion als Leckerchen freut die Schweinchen immer. Ein Leckerchen mit Beschäftigungswert sind Cocktailtomaten. Diese an eine Stelle ohne Streu im Ganzen ins Gehege geben. Sie kullern immer wieder weg und bringen die Meerschweinchen dazu hinterher zu laufen.

Frisches Obst: Obst kann zu besonderen Gelegenheiten auch mal verfüttert werden. Sollte aber nur in geringen Mengen gegeben werden, da es stark zuckerhaltig ist. Nicht geeignet ist Trockenobst, da hier der Zuckergehalt noch höher ist und das Obst damit zu denselben Problemen führen kann wie die Leckerlies mit Kohlenhydraten.

Geeignetes Obst: Apfel, Erdbeere, Wassermelone und Banane

Grüne Ähren: Getreide hat wie bereits beschrieben nichts im Magen eines gesunden Meerschweinchens verloren. Aus diesem Grund sind auch Getreideähren und Hirserispen keine geeigneten Leckereien. Auch wenn hier mit dem Spelz von Meerschweinchen benötigte Rohfasern aufgenommen werden, enthalten sie immer noch zu viel unaufgeschlossene Stärke. Anders sieht es bei grünen Ähren aus. Diese wurden vor dem Ausreifen des Stärkekörpers geerntet und können damit gut als Leckerlie verfüttert werden.

Erbsenflocken: Erbsenflocken werden sehr gerne von Meerschweinchen gefressen. Dadurch, dass die Erbsen gewalzt wurden, ist die Stärke aufgebrochen und damit leicht verdaulich. Außerdem enthalten sie Lysin, was in geringen Mengen als Nährstoff durchaus benötigt wird. Allerdings liefern sie auch viel Energie und sollten deshalb sehr vorsichtig rationiert werden. Eine Erbsenflocke am Tag reicht aus, da unsere Meerschweinchen sonst einfach zu dick werden.

Sonnenblumenkerne: Sonnenblumenkerne enthalten Fette, die für die Ernährung auch sinnvoll sein können. Aber auch sie sollten nur in geringen Mengen gefüttert werden. Ein Kern pro Tier und Tag sollte nicht überschritten werden, sonst werden die Tiere zu dick.

Trockengemüse: Getrocknetes Gemüse wird von den meisten Meerschweinchen gerne gefressen. Man kann es gut dazu nutzen um Beschäftigungsspielzeug zu füllen. Allerdings sollte man beachten, dass Trockengemüse im Magen stark aufquillt und damit die Magenwände belastet werden. Wird nicht zusätzlich zu dem Trockengemüse viel Heu und Wasser aufgenommen, kann es auch zu einer gefährlichen Verstopfung kommen. Zusätzlich ist das getrocknete Gemüse stark zuckerhaltig und je nach Zucker- und Säuregehalt kann sich auch hier der pH-Wert im Darm verschieben. Diabetes kann ebenfalls eine Folge von zu viel getrocknetem Gemüse sein. Zudem fressen die Meerschweinchen oft mehr von dem Trockengemüse als sie es beim Frischfutter tun würden, da das Gemüse stark komprimiert ist. Die Folge ist eine geringere Heuaufnahme, was aber aufgrund des Rohfaseranteils wichtig wäre. Aus diesem Grund sollte Trockengemüse wenn überhaupt nur selten und in geringen Mengen verfüttert werden.

Fazit:

  • Snacks aus dem Handel und altes Brot sind ungeeignet als Leckerchen für Meerschweinchen
  • Zweige, Kräuter und frisches Gemüse können als Leckerlie gefüttert werden
  • Bei Erbsenflocken und Sonnenblumenkerne sollte die Menge sehr gering ausfallen
  • Trockengemüse sollte nur in kleinen Mengen gefüttert werden, da es stark aufquillt und zu Verstopfungen führen kann

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