Hunde

Fütterung nach Antibiotikagabe

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Wenn der Hund verletzt ist, braucht es manchmal Antibiotika

Wie kann ich meinen Hund unterstützen?

Manchmal kommt man nicht drum herum und der eigene Hund wird krank oder verletzt sich und eine Antibiotikagabe ist sinnvoll. Oft ist es so, dass die ursprüngliche Erkrankung dann weg ist, aber der Hund Probleme mit dem Magen-Darm-Trakt bekommt. Häufig kommt es zu Durchfall. Wie man seinen Hund nach der Gabe von Antibiotika sinnvoll unterstützen kann, wollen wir uns nun anschauen.

Was sind Antibiotika und wie wirken sie?

Der Name Antibiotika kommt aus dem Griechischen und kann mit „gegen das Leben“ übersetzt werden. Das hört sich nun sehr dramatisch an, aber es geht hier ausschließlich gegen Bakterien.

Antibiotika sind chemische Verbindungen, die entweder aus Mikroorganismen (z.B. Schimmelpilzen) oder synthetisch hergestellt werden und in den Stoffwechsel von Bakterien eingreifen. Sie hemmen entweder das Wachstum der Bakterien, oder töten sie ab.

Antibiotika können Bakterien von menschlichen Zellen unterscheiden. Bakterien sind z.B. die einzigen bekannten Organismen, deren Zellwand aus Murein besteht. Dieser Zucker kommt in menschlichen Zellen nicht vor. Außerdem bilden menschliche Zellen im Gegensatz zu Bakterien keine Folsäure. Gegen Viren sind Antibiotika allerdings völlig nutzlos, denn diese haben keinen eigenen Stoffwechsel und bieten den Antibiotika so keinen Angriffspunkt.

Das Problem ist, Antibiotika können zwar menschliche Zellen von Bakterien unterscheiden, aber sie können nicht zwischen „guten“ und „schlechten“ Bakterien differenzieren. Sie wirken somit auch auf die gewollten Bakterien z.B. diejenigen im Darm.

Aus diesem Grund kommt es nach einer Antibiotikagabe oft zu Problemen mit Durchfall.

Darmflora?

Warum aber wirken die Antibiotika gerade im Darm so negativ? Das liegt an der sogenannten Darmflora. Eigentlich ist dieser Begriff nicht ganz korrekt. Er stammt noch aus der Zeit als man Bakterien der Pflanzenwelt zugeordnet hat. Mittlerweile zählt man Bakterien aber als eigene Domäne und so müsste die Darmflora korrekterweise intestinale Mikrobiota oder Darm-Mikrobiom genannt werden. Wir bleiben hier aber bei dem besser bekannten Begriff Darmflora.

Mit der Darmflora ist also eine Umgebung verschiedenster Keime gemeint, die bei ganz unterschiedlichen Aufgaben im Körper helfen. Die Darmflora hilft bei der Aufnahme von Nährstoffen, aber auch bei der Produktion von Substanzen, die Krankheitserreger eliminieren können. Sie ist ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems.

Dabei spielen milchsäurebildende Bakterien eine ganz besondere Rolle, denn die sorgen für ein schwach saures Milieu im Darm und so dafür, dass sich krankheitserregende Fäulniskeime nicht übermäßig vermehren können.

Das Verhältnis von „guten“ und „schlechten“ Bakterien ist hier wichtig, denn die „schlechten“ Bakterien trainieren sozusagen die „guten“ Bakterien.

Probiotika

Was können wir nun also tun um dieses, durch das Antibiotika zerstörte, Gleichgewicht wieder herzustellen?

Für den Aufbau der Darmflora werden dann häufig sogenannte Probiotika empfohlen.

Probiotika sind „lebende Mikroorganismen“, die helfen die „guten“ Bakterien, also hauptsächlich die Milchsäurebakterien, wieder aufzubauen. Natürlicherweise kommen sie z.B. in Joghurt vor.

Vor ungefähr 100 Jahren hat der Arzt Dr. Alfred Nißle entdeckt, dass das Kolibakterium (Escherichia coli) bei Durchfallerkrankungen helfen kann. Ebenso bei anderen Erkrankungen wie Leber- und Gallenleiden, Allergien, Ausschlägen, Gicht und anderem. Er hat hier das erste Probiotikum entwickelt. Leider ist es in Vergessenheit geraten, aber es ist  bis heute unter dem Namen Mutaflor erhältlich.

Heutzutage gibt es für die Herstellung von Probiotika strenge gesetzliche Regeln, da sie als Futtermittelzusatzstoffe gelten und so zulassungspflichtig sind. Es dürfen nur Mikroorganismen enthalten sein, die unbedenklich sind und deren Nutzen für den Hund nachgewiesen sind. Aktuell gibt es genau zwei Bakterienstämme, die laut EU-Verordnung für Hunde zugelassen sind: Das sind Enterococcus faecium und Lactobacillus acidophilus. Die meisten Produkte enthalten Ersteres. Dieses Bakterium lebt gut in einer Umgebung mit Sauerstoff, benötigt diesen jedoch nicht unbedingt. Allerdings findet man solche Bakterien vor allem im Dünndarm, d.h. sie wirken aber auch vor allem im Dünndarm.

Die Darmflora befindet sich aber nicht nur im Dünndarm, sondern auch im Dickdarm. Es gibt allerdings keine spezialisierten Bakterienstämme, die für Hunde zugelassen sind und im Dickdarm wirken. Aber Probiotika sind nicht die einzige Möglichkeit die Darmflora zu unterstützen. Es gibt auch noch die sogenannten Prebiotika.

Prebiotika

Bei Prebiotika handelt es sich um sogenannte unverdauliche Nahrungskomponenten, die dann die Bakterien in der Darmflora ernähren und so dazu führen, dass sie schneller wachsen und sich vermehren. Diese „Bakteriennahrung“ sind hauptsächlich Ballaststoffe.

Für den Aufbau der Darmflora können also sowohl Pro- wie auch Prebiotika unterstützen. Eine Kombination aus beiden nennt man Symbiotika.

Was nun tun?

Nun wissen wir, was den Aufbau der Darmflora unterstützt. Doch was bedeutet das nun genau?

Mit einigen Nahrungsmitteln kann man den Aufbau der Darmflora gut unterstützen, es gibt Nahrungsmittel die probiotisch wirken und welche, die prebiotisch wirken.

Probiotisch wirken Buttermilch, Joghurt, Kefir aber auch fermentiertes Gemüse oder Getreide. Sie führen die notwendigen Milchsäurebakterien zu. Auch frischer grüner Pansen, eignet sich hier sehr gut. Er wird von den meisten Hunden gerne gefressen. Er ist der größte der drei Vormägen des Rindes und arbeitet wie eine Art große Gärkammer. Hier wird die pflanzliche Zellulose durch Mikroorganismen aufgeschlossen. Bei den Mikroorganismen handelt es sich um unsere „guten“ Bakterien z.B. Milchsäurebakterien. Diese sind im frischen Pansen auch noch vorhanden.

Prebiotische Nahrungsmittel sind Nahrungsmittel, die einen hohen Anteil an Ballaststoffen haben. Hier bieten sich Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte (immer gekocht, da sie sonst giftig sind), Nüsse und Samen an. Aber auch in Gemüse und Obst sind Ballaststoffe enthalten. Als Faustregel kann man sich hier merken, je weicher oder wässriger ein Pflanzenteil ist, desto weniger Ballaststoffe sind enthalten.

Ein wichtiger Ballaststoff ist Inulin. Dieser ist in besonders hohem Anteil in Topinambur, Chicorée und Pastinaken enthalten.

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Haferflocken enthalten neben resistenter Stärke auch Inulin

Ein weiterer wichtiger Ballaststoff ist resistente Stärke. Resistente Stärke findet sich vor allem in Haferflocken und Kartoffeln. Kartoffeln sollten allerdings nach dem Kochen zunächst abkühlen, denn erst dann bilden sie die resistente Stärke. Außerdem dürfen Hunde mit Arthrose nur in geringer Menge Stärke fressen, da diese die Arthrose begünstigen kann. Haferflocken enthalten nicht nur resistente Stärke, sondern auch Inulin.

Zusätzlich kann man den Aufbau der Darmflora mit Vitamin D und gesunden Omega 3 Fettsäuren unterstützen. Diese sind z.B. in Leinöl enthalten.

Diese Nahrungsmittel können die Darmflora des Hundes unterstützen und es macht sicher Sinn hier gerade nach einer Antibiotikagabe darauf zu achten. Allerdings ist es auch so, dass dies wahrscheinlich nicht ausreichen wird. Eine geschädigte Darmflora wird alleine mit diesen Lebensmitteln eher nicht wieder aufgebaut. Hier helfen tatsächlich Futtermittelzusätze.

Für den Aufbau der Darmflora im Dünndarm eignen sich auf dem Markt befindliche Symbiotika gut.

Für den Aufbau der Darmflora im Dickdarm sind Produkte mit Effektiven Mikroorganismen zu empfehlen.

Effektive Mikroorganismen sind eine Mischung aus Bakterien und Pilzen. Sie reagieren mit organischem Material und produzieren z.B. Vitamine, organische Säuren, mineralische Verbindungen und unterschiedliche Antioxidantien. So helfen sie die Darmflora wieder aufzubauen. Sie mögen keinen Sauerstoff und fühlen sich deshalb gerade im Dickdarm wohl.

Man kann beide Zusätze zur selben Zeit geben, allerdings empfiehlt es sich das eine morgens und das andere abends zu geben. Eine solche Kur nach der Gabe von Antibiotika sollte 6-8 Wochen dauern. Wichtig ist, dass man sie langsam einschleicht, damit der Darm nicht überfordert wird.

Fazit:

  • Es ist wichtig den Darm sowohl probiotisch wie auch prebiotisch zu unterstützen
  • Es sollte darauf geachtet werden, dass die Darmflora im Dünn- und Dickdarm wieder aufgebaut wird
  • Eine „darmfreundliche“ Ernährung ist wichtig nach der Gabe von Antibiotika

Quellen:

Swanie S.: BARF Biolobisch Artgerechtes Rohes Futter, 6. Auflage 2014

Messika B.R., Schäfer S.L.: B.A:R:F: Junior Artgerechte Rohernährung für Welpen und Junghunde, 5. Auflage 2014

Dr. Med. Vet. Nadig A.: Heilpflanzen für Hunde Wirkungsweise, Rezepturen und Anwendung, 1. Auflage 2018

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