Pferde

Haarige Angelegenheit

Plüschpony mit Winterfell

Wie Pferde im Fellwechsel mit der richtigen Fütterung unterstützt werden können

Wer kennt das nicht? Kaum beginnt das Frühjahr, fliegen die Haare und das Putzen der Pferde endet damit, dass man über und über voller Pferdehaare ist. Gleichzeitig ist es so, dass gerade im Frühjahr viele Pferde plötzlich an Husten oder anderen Krankheiten leiden. Das ist kein Zufall, sondern hat oft mit dem Fellwechsel zu tun. Das muss aber nicht sein.

Bevor wir allerdings auf die Verbindung von Fellwechsel und Krankheiten eingehen, erstmal ein paar Informationen zum Thema Fellwechsel.

Was passiert beim Fellwechsel?

Im Frühjahr werfen unsere Pferde ihr dickes Plüschfell ab. Das passiert aber nicht in einem Rutsch, sondern Stück für Stück. Den Anfang machen die langen Oberhaare und erst danach folgt die dicke Unterwolle. Das Abhaaren kann bis zu 4 Monate dauern.

Im Herbst dauert das Haaren nicht ganz so lange, denn hier gibt es ja keine dicke Unterwolle die abgeworfen werden muss. Es werden lediglich die Sommerhaare abgestoßen. Anfangs ist das Winterfell noch kurz und es dauert seine Zeit bis das Fell gewachsen und die dicke Unterwolle vorhanden ist. Es wirkt zwar so, als ob dieser Fellwechsel kürzer wäre, weil die Pferde nicht so lange haaren, aber bis das neue Fell komplett gebildet ist, dauert es auch hier mehrere Monate.

Für den Fellwechsel muss der Körper sehr viel Eiweiß bilden und benötigt entsprechend viel Energie und Spurenelemente.

Wann beginnt der Fellwechsel?

Ab Mitte Januar bemerken wir meistens, dass unsere Pferde beginnen ihr Fell abzuwerfen. Und ab Mitte Juli können wir umgekehrt entdecken, dass unseren Pferden dichteres Fell wächst.

Allerdings beginnt nicht erst hier der Fellwechsel. Das passiert sogar schon früher nämlich Ende Dezember bzw. Ende Juni. Ausschlaggebend für den Beginn des Fellwechsels ist nämlich nicht die Temperatur, sondern vielmehr das länger oder kürzer werdende Tageslicht. Die Zirbeldrüse, eine Hormondrüse die am Pferdegehirn angegliedert ist, bemerkt die Veränderungen in den Lichtverhältnissen und produziert dann das Hormon Maltonin. Dieses Hormon ist für den Biorhythmus zuständig und steuert so den Schlaf-Wach-Rhythmus, die Fortpflanzung und eben auch den Fellwechsel.

Werden die Tage länger, gibt die Zirbeldrüse die Info, dass der Winter vorbei ist und mit dem Fellwechsel begonnen werden kann. Ab Ende Juni wird umgekehrt das Winterfell benötigt.

Die Temperaturen sind allerdings nicht ganz ohne Bedeutung. Untergeordnet spielen sie auch eine Rolle. Wenn es zum Beispiel im Frühjahr nochmal richtig kalt wird, stoppt der Fellwechsel. Außerdem bestimmt die Temperatur wie dicht und lang ein Fell wird. Wenn man sein Pferd also im Herbst warm eindeckt, wird es kein so dichtes Plüschfell bekommen wie ein Pferd das uneingedeckt im Offenstall steht. Außerdem bestimmen natürlich noch Alter und Rasse die Länge und Dichte des Fells. Ein Isländer hat in der Regel ein dichteres und längeres Winterfell als ein Warmblut.

Der Fellwechsel ist eine richtige Höchstleistung für den Pferdekörper. Es müssen nicht nur neue Haare gebildet, sondern auch die alten Haare abgeworfen werden. Das fordert den gesamten Stoffwechsel des Pferdes. Zusätzlich muss der Pferdekörper noch mit den schwankenden Temperaturen im Frühjahr und Herbst klarkommen. Tagsüber ist es schön warm, aber nachts wird es teilweise richtig kalt. Das bedeutet natürlich, dass Kreislauf und Immunsystem ordentlich zu tun haben. Kein Wunder also, dass die Pferde in dieser Zeit gerne mal krank werden.

Wir können unsere Pferde aber mit der richtigen Fütterung in dieser Zeit gut unterstützen.

Klassische Tipps zur Fütterung beim Fellwechsel

Besonders wichtig ist während des Fellwechsels eine gute Versorgung mit Spurenelementen, Vitaminen und Mineralien. Dabei spielen für die Zellteilung und das Haarwachstum Mangan, Folsäure, Kupfer, Schwefel, Selen und Biotin die größte Rolle. Außerdem braucht der Körper Zink, da er an der Bildung von Keratin, dem Hauptbestandteil der Haare, beteiligt ist. Magnesium und Vitamin E sind gut für die Haut.

Wichtig: Diese Stoffe nicht einfach zufüttern, sondern über ein Blutbild checken lassen, ob überhaupt ein Mangel vorliegt. Denn zu viel davon kann dem Pferd schaden.

Neben dem Zufüttern von Mineralien, Spurenelementen und Vitaminen kann man aber allgemein dem Stoffwechsel des Pferdes mit bestimmten Futtermitteln auf die Sprünge helfen und das Pferd im Fellwechsel unterstützen.

Klassischerweise werden folgende Dinge empfohlen:

  • Bierhefe: Bierhefe entsteht nach der Bierherstellung durch Trocknung. Sie kommt so in der Natur nicht vor und ist deshalb auch nicht ganz unumstritten in der Pferdefütterung. Sie wirkt sich positiv auf Haut und Fell aus und enthält unter anderem Magnesium, Zink, Biotin, Folsäure und Vitamin E. Außerdem enthält sie essentielle Aminosäuren. Diese sind wichtige Baustoffe für die Zellen und die Bierhefe hilft damit das Wachstum der Haarzellen und die Regeneration der Hautzellen zu fördern. Die empfohlene Fütterungsmenge liegt bei 10-20 g Bierhefe pro 100 kg Körpergewicht. Allerdings kann die Bierhefe auch dazu führen, dass unsere Pferde an Gewicht zunehmen, denn sie verbessert auch die Nährstoffverwertung und hat außerdem einen hohen Proteingehalt. Gerade bei Pferden mit Gewichtsproblemen sollte mit Bierhefe vorsichtig umgegangen werden.
  • Leinsamen: Der Leinsamen enthält viele der entzündungshemmenden Omega3-Fettsäuren. Für den Körper ist es wichtig, dass wir neben den hauptsächlich vorkommenden Omega6-Fettsäuren auch Omega3-Fettsäuren aufnehmen. Außerdem ist in Leinsamen noch Selen enthalten. Es gibt Leinöl, oder eben Leinsamen. Öl kann von Pferden allerdings nicht ganz so gut aufgenommen und verwertet werden und aus diesem Grund sollte eine Menge von etwa 80 ml pro Mahlzeit nicht überschritten werden. Deshalb empfiehlt es sich die geschroteten Samen zu füttern. Wenn man den Leinsamen allerdings geschrotet hat, wird er schnell ranzig und sollte deshalb innerhalb eines Tages verfüttert werden. Es gibt braunen und goldenen Leinsamen. Der braune Leinsamen enthält giftige blausäurehaltige Glykoside, welche aber durch 10 minütiges Kochen unschädlich gemacht werden können. Den goldenen Leinsamen muss man hingegen nicht kochen. Quellen lassen sollte man aber beide Sorten, denn er quillt stark auf und kann so zu Koliken oder Schlundverstopfungen führen. Wichtig ist außerdem, dass Leinsamen einen richtigen Glibber entwickelt, dieser ist gut für den Magen-Darm-Trakt, führt allerdings auch dazu, dass Kräuter, Mineralfutter und anderes einfach so mitdurchrutscht und keine Wirkung entfalten kann. Deshalb sollte man andere Futterzusätze nicht mit Leinsamen zusammen füttern. Zu beachten ist auch, dass Leinsamen einen hohen Proteingehalt hat und deshalb nur in geringen Mengen gefüttert werden sollte.
  • Kieselerde/Kieselgur: Das hat nichts mit Kieselsteinen zu tun, sondern sind feingemahlene Süß- und Meerwasseralgen. Hier ist besonders der enthaltene Stoff Silicium von Bedeutung. Denn Silicium ist für den Zellaufbau und-stoffwechsel wichtig. Zusätzlich stärkt es die Haarstruktur. Es sorgt dafür, dass Haare dicker und fester werden. Dank seiner porösen Oberflächenstruktur hilft Kieselgur auch dabei zu entgiften und Toxine aus dem Darm abzuleiten. Das kommt dann natürlich dem Immunsystem zu gute.

Was kann sonst noch gefüttert werden?

Neben diesen klassischen Tipps zum Thema Fütterung beim Fellwechsel gibt es aber auch noch weitere Futterzusätze, die den Fellwechsel unterstützen können:

  • Moorpulver: In Moorpulver sind unter anderem Magnesium, Kupfer, Selen und Zink enthalten. Zusätzlich findet sich im Moorpulver Huminsäure und diese wirkt antiviral und antibakteriell. Sie hilft also dem Immunsystem des Pferdes. Die Huminsäure kann aber noch mehr, denn sie hilft die Darmflora wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Zusätzlich wirken die organischen Stoffe im Moorpulver entgiftend.
  • Hanfsamen: Hanfsamen enthalten viel hochwertiges Eiweiß. Zusätzlich sind wie beim Leinsamen Omega3-Fettsäuren enthalten. Außerdem enthält Hanf Magnesium, Biotin, Vitamin E und viel Zink, der gerade für den Fellwechsel wichtig ist. Es gibt natürlich neben dem Hanfsamen auch das Hanföl. Aber auch beim Hanföl gilt wie beim Leinöl, dass es nur in geringen Mengen verfüttert werden sollte, da Pferde Öle schlecht verdauen können.
  • Schwarzkümmelsamen: Beim Schwarzkümmel ist darauf zu achten, dass es sich um den „echten“ Schwarzkümmel mit dem Namen „Nigella Sativa“ handelt. Denn nur dieser aus Syrien oder Ägypten stammende Schwarzkümmel hat die Bedingungen an Boden und Sonne, die er benötigt um auch wirksam zu sein. Der Schwarzkümmel enthält ätherische Öle, die antimyotisch und antibakteriell wirken. Er stärkt das Immunsystem und hilft Magen und Darm zu sanieren indem die Darmflora unterstüzt. Außerdem fördert er den Hautstoffwechsel und hat eine entgiftende Wirkung. Er enthält Beta-Karotin, Biotin, Folsäure, Magnesium, Selen und Vitamin E. Außerdem Vitamin C zur Stärkung der Abwehrkräfte. Beim Schwarzkümmelöl gilt natürlich das Selbe wie auch beim Lein- und Hanföl. Zu viel Öl ist schädlich und es sollten besser die Samen verfüttert werden.
  • Getrocknete Hagebutten: Hagebutten enthalten unheimlich viel Vitamin C, auch mehr als Zitronen. Vitamin C ist ein guter Nährstoff für das Immunsystem und stärkt so die natürlichen Abwehrkräfte, aber es hilft auch gerade im Fellwechsel die Zellen zu stärken. Neben Vitamin C enthält die Hagebutte auch Vitamin E und Biotin.
  • Mariendistel: Die Mariendistel gilt als das Leberkraut schlechthin. Das in der Mariendistel vorkommende Wirkstoffgemisch Silymarin, stabilisiert die äußere Hülle der Leberzellen, wodurch giftige Stoffe weniger gut in die Zellen eindringen können. Zusätzlich gehen nicht so viele wichtige Zellbestandteile wie zum Beispiel Leberenzyme verloren. Das Wirkstoffgemisch Silymarin kann außerdem dafür sorgen, dass sich die Leber von Schäden schneller erholt. Mariendistel unterstützt mit ihrer Wirkung auf die Leber den Stoffwechsel des Pferdes.
  • Goldrute: Goldrute enthält unter anderem Flavonoide. Diese regen die Nieren dazu an mehr Wasser auszuscheiden. Dadurch werden die Harnwege besser durchspült und Keime ausgeschwemmt. Zusätzlich wirkt Goldrute antientzündlich.
  • Gänseblümchen: Gänseblümchen enthalten genau wie Goldrute Flavonoide und unterstützen damit den Stoffwechsel. Außerdem sind Magnesium, Vitamin E und Vitamin C enthalten.
  • Schafgarbe: Die Pflanze enthält neben ätherischen Ölen, Bitterstoffen auch Kieselsäure. Damit hilft die Pflanze einmal zur Anregung der Leberfunktion, hat aber auch auf die Haut positive Effekte.
  • Löwenzahn: Der Löwenzahn enthält unter anderem ebenfalls Flavonoide und hat damit eine ausleitende Wirkung. Er stärkt die Funktion der Nieren und die natürliche Regulierung des ph-Werts in den Verdauungsorganen. Damit hilft er das Pferd zu entgiften und unterstützt damit das Immunsystem und den Fellwechsel.

Wichtig bei allen Futterzusätzen ist jedoch, dass die Zusätze nur dann wirklich gut beim Fellwechsel helfen können, wenn sie von Anfang an gegeben werden. Das bedeute man sollte spätestens Anfang Januar bzw. Juli damit anfangen und dann eine Kur von 6-8 Wochen durchführen. Wenn die ersten Haare fallen, ist der Fellwechsel bereits im vollen Gange und für die Kur ist es zu spät. Außerdem sollte alles eingeschlichen werden um den Organismus nicht zu überlasten.

Neben der Unterstützung durch das Futter hilft natürlich das Putzen des Pferdes. Das Haaren juckt und da tut eine Runde Bürsten richtig gut. Zusätzlich wird die Durchblutung der Haut gefördert.

Der Fellwechsel juckt

Mein Rezept für 100 kg Pferd:

½ Teelöffel Kieselerde

2 Teelöffel Hanfsamen

½ Teelöffel Schwarzkümmelsamen

1 Esslöffel getrocknete Hagebutte

2 Teelöffel getrocknete Mariendistel

1 Teelöffel getrocknete Goldrute

1 Teelöffel getrocknete Gänseblümchen

1 Teelöffel getrocknete Schafgarbe

1 Teelöffel getrockneter Löwenzahn

1 Teelöffel getrocknete rote Beete für den Geschmack

Kräutermischung für den Fellwechsel

Fazit:

  • Der Fellwechsel beginnt bereits Ende Dezember bzw. Juni
  • Das Zufüttern von Mineralstoffen und Vitaminen sollte nur nach vorherigem Blutbild und nachgewiesenem Mangel erfolgen
  • Das Zufüttern von Samen und Kräutern kann den Fellwechsel unterstützen, allerdings muss damit rechtzeitig begonnen werden und die Zusätze sollten eingeschlichen werden

Quellen:

Bender I.: Praxishandbuch Pferdefütterung, 4. Auflage 2011

Fritz Dr. C: Pferde fit füttern, 1. Auflage 2012

Karp H-P.: Gesunde Pferdefütterung, 1. Auflage 2018

Söffker M.: Das Heilkräuter Lexikon, 2. Auflage 2017

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s